Kapitel 2. Heimsuchung

In den ersten sechs Wochen meines Aufenthaltes lag der Schwerpunkt auf Gesprächen mit den Dorfbewohnern von Pampow und Blankensee, die in deren privater Umgebung stattfanden. Die Lebensgeschichten und die Geschichte des Dorfes bildeten das Fundament für die weitere Projektentwicklung. Sämtliche Gespräche wurden aufgezeichnet. Das Material wird nach und nach geschnitten und als "Biographische Akkorde" veröffentlicht.

Die Dorfgeschichte ist geprägt von dem wechselhaften Verhältnis zu Polen, auf dessen heutigem Territorium die einstige Heimat vieler Bewohner liegt, einer - zumindest im Rückblick- von vielen als glücklich empfundenen Zeit während der DDR und dem Verlust von wirtschaftlicher Stabilität nach der Wende.

Fehlende Arbeitsplätze begünstigen die Abwanderung der Jungen. Das Dorf ist überaltert, Strukturen brechen weg (keine Einkaufsmöglichkeiten, die Vielzahl von Gaststätten hat sich auf eine reduziert, deren Öffnungszeiten sich nach der Kundschaft richtet, Schule und Kindergarten wurden geschlossen). Viele Menschen verfügen über sehr wenig Geld. Das grundlegende Bedürfnis nach einer gesicherten Existenz bleibt oft unerfüllt. Alteingesessene sehen den sozialen Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft geschwächt und fühlen sich zuweilen vereinzelt.

Die Zugezogenen versuchen in ländlicher Umgebung und heimisch zu werden.
Junge polnische Familien werden als Hoffnungsträger für ein Neuaufleben der Gemeinde willkommen geheissen.

HEIMSUCHUNG Anni und Koni Vormelker. Der plattdeutsche Ausdruck MI KRICHT HIER KEENER MEHR WECH, den Koni Vormelker innerhalb unseres Gespräches nachdrücklich spricht, wird titelgebend für das gesamte Projekt.
HEIMSUCHUNG Anni und Koni Vormelker