Kapitel 4. KunstKiosk

Anfang Mai 2013 bildeten sich zwei Sektionen im Dorf: die Tourismusgruppe und die Sonnenschirmgruppe. Anliegen der Tourismusgruppe war und ist es, trotz geringer Infrastruktur die Gäste und Radtouristen, die das Dorf am Oder-Neisse-Radweg passieren, mit einen Ort zum Verweilen inklusive eines kleinem gastronomischen Angebotes zu überraschen. Aus regionalen und selbst hergestellten Produkten wurde eine kleine Palette erstellt. Unzählige Kuchen wurden gebacken, Kaffee serviert, Wildwürste verzehrt.

Der KunstKiosk ist ein umgewandelter DDR-Bauwagen, der mit Zitaten aus den Gesprächen mit den Bewohnern beschriftet wurde. Während des Sommers betrieben ihn die Dorfbewohner täglich in zwei Schichten à vier Stunden. Neben seiner Funktion als Verpflegungsstelle mit dörflichen Backwaren, Würsten und Apfelsaft aus Eigenherstellung, diente er hauptsächlich als Kommunikationsplattform zwischen Bewohnern und Besuchern.

> Eintrag aus dem Gästebuch

Der KunstKiosk hat am 1.Mai 2014 unter der Robinie vor dem Gemeindezentrum Blankensee seine zweite Saison eröffnet.


KuKi

Selbstdarstellung des KunstKioskes durch das Autorenteam der Tourismusgruppe

 

Was bedeute der KunstKiosk für uns?

Im Rahmen des Projektes "Kunst fürs Dorf - Dörfer für Kunst" hatten wir uns für die Zusammenarbeit mit der Künstlerin Barbara Caveng entschieden. Unsere Gemeinde Blankensee besteht aus zwei Dörfern, dem Ort Blankensee und Pampow / Freienstein.

Zunächst hat Barbara Caveng etliche Haushalte aufgesucht um sich näher mit den Leuten, ihren Lebensumfeldern sowie ihren Geschichten vertraut zu machen.

Hierbei kristallisierte sich sehr schnell heraus, dass beide Ortsteile eine gute kulturelle Arbeit leisteten, jedoch als Gemeinde wenig gemeinsam miteinander arbeiteten. Aus diesem Grunde sollte ursprünglich die Ortsverbindungsstraße zwischen unseren beiden Orten mit Sprüchen und Aussprüchen, die Barbara Caveng bei ihren Gesprächen mit den einzelnen Leuten gesammelt hatte, beschrieben werden. Aus verkehrstechnischen Gründen mussten wir uns jedoch von diesem Vorhaben lösen.

War es Glück oder Vorsehung? Nun wurde der Gedanke geboren, einen alten, nicht mehr im Betrieb befindlichen Pausenwagen der AGRAR Genossenschaft, in einen Kunstkiosk zu verwandeln. Hierzu war es notwendig einige Reparaturarbeiten durchzuführen. Die Außenflächen wurden gereinigt und mit den bereits aufgeführten Zitaten beschriftet. Hierbei fand ein Ausspruch MI KRICHT HIER KEENER MEHR WECH eine besondere Würdigung. Es wurde der Leitspruch aller unserer kulturellen Aktivitäten in der Projektarbeit. Der Innenraum wurde mit altem Mobiliar, welches hierzu aufgearbeitet wurde, ausgestattet.

So wurde aus dem hässlichen Entlein ein stolzer Schwan.

Nun konnte es beginnen. Wir wollten den Radtouristen, die auf dem Oder – Neiße Radwanderweg unterwegs waren, die Möglichkeit geben, sich einmal kurz zu erholen, etwas über unser Kunstprojekt, unseren Menschen sowie über unsere Arbeit und Gegend zu erfahren. Wir haben aus diesem Wagen heraus ihnen Produkte aus der Region angeboten. Es gab neben Honig, selbst gekochter Marmelade, Wildwurst auch teilweise belegte Brötchen, Kartoffelsalat und Klopse, Pellkartoffeln und Quark zu erwerben. Es standen ihnen selbstgebackener Kuchen sowie Kaffee und diverse Erfrischungsgetränke zur Verfügung. Daneben gab es auch die Möglichkeit kleine Andenken, Postkarten, eigen gestaltete Kochbücher, Produkte, die in der Näh- Gruppe gefertigt wurden, zu erwerben.

Alle Beteiligten, die sich beim Betreiben des KunstKioskes eingebracht haben, waren überrascht und gleichzeitig erfreut darüber, dass dieser so stark von den Touristen angenommen wurde. Ihre Dankbarkeit hierüber haben viele Gäste mit einem Eintrag bzw. mit kleinen Zeichnungen in unserem Gästebuch zum Ausdruck gebracht. Bei Gesprächen mit den Leuten sowie der Auswertung ihrer Einträge haben wir auch festgestellt, wie stark dieser Radwanderweg benutzt wird und aus welchen Gegenden bzw. Ländern all diese Touristen kommen. Dies war uns vorher noch gar nicht so bewusst.