04.09.2013   Powered by Emotion Holzbrigade

Den Engel,

der mir gerade bei der Bewältigung der Komplexität meiner Lebenssituation im Dorf half, hatte mir Herr Otto geschickt. Zweimal hatte er sich telefonisch nach meinem Ergehen und Befinden erkundigt.

Die beiden Bilder, das galaktische und das himmlische, die mir der Maler für meine Wohnung aus seinen Beständen ausgesucht hatte, hatte er mir überbringen lassen. Persönlich hatte ich Herrn Otto bisher noch nicht kennngelernt.

 

Die beiden Bilder, das galaktische und das himmlische, die mir der Maler für meine Wohnung aus seinen Beständen ausgesucht hatte, hatte er mir durch eine Freundin überbringen lassen. Persönlich hatte ich Herrn Otto bisher noch nicht kennengelernt.

Wie lange willst du noch bleiben?, fragen mich viele angesichts der täglich anrollenden Hänger mit Eichenstämmen. Die vorbeifahrenden Autos verlangsamten ihre Fahrt, Fachsimpeleien, aufmunternde Worte, kritische Blicke, und Ratschläge erreichten uns aus heruntergekurbelten Fensterscheiben, meist gepaart mit Worten des Bedauerns ob der noch zu bewältigenden Aufgabe.

 

Mindestens zwei-, wenn nicht dreimal täglich parkte mit Schwung ein bronzefarbene Subaru auf unserem Baustellengelände. O K kommt! schrien wir uns dann voller Freude und Begeisterung zu. Die O K - Ortskontrolle hatte uns in ihre Route des dörflichen Revierdienstes und Objektschutzes aufgenommen. Die O K war Reinhard Lettow. Die lautstarke Frage, Was macht ihr denn heut für ein Gemalle?, war seine Form der Gesprächseröffnung. Wir liebten seine Besuche, sie machten uns fröhlich und verdrängten für einen Moment die Müdigkeit, die ab vierzehn Uhr, die Bewegungen verlangsamte.

Um 16 Uhr schien es mir Zeit für ein Schaumbad oder Bier. Ein unbekannter, unauffällig dunkelgrün-oder-dunkelblauer Kombi parkte am gegenüberliegenden Straßenrand. Ein Mann stieg aus, schlohweißes Haar, das Gesicht eingerahmt von einem ebensolchem Bart.

Du lieber Gott, erhielt ich grad himmlischen Beistand?, ich hielt mich an der Spaltaxt fest.

Da ist sie ja, hörte ich ihn sagen und vor mir stand er, eine Erscheinung. Otto, hörte ich ihn sagen, Wolfgang Otto. Aus Eggesin.
Der Mann, der mir das Bild mit dem Engel geschickt hatte, sah aus wie ein Phantombild vom lieben Gott, nach den Angaben von Kindern aus mindestens 23 Nationen geschaffen.

Perplex erzählte ich ihm, dass der Engel gerade Probleme für mich löste, unter anderem eben das beschriebene mit den Aquarellmalkästen für testosterongesteuerte Männer. Das wird kein Problem für ihn sein, sagt der Liebe-Gott-Mann vor mir und lächelte.

Er zog ein Geschenk für mich aus seiner Tasche, eine Biographie über Michelangelo, und wollte weiter. Ich bat ihn um ein Foto. Mein Blick durch den Sucher blieb an seiner Tasche hängen: Ka De We stand auf dem schwarzen Stoffbeutel. Es war mittlerweile 16.30 und ich fiel vom Glauben ab. Besser als Bier oder Schaumbad wäre nun doch vielleicht ein Cognac. Was nämlich machte der liebe Gott im KaDeWe?


Herr Otto aus Eggesin Irdische Sicherungsmassnahmen Vorsehende Augen