20.06.2013   Heimsuchung

HEIMSUCHUNG Sabina Döhr

„Ist das nicht schön?“, fragte Sabina

und ließ ihren Blick über Haus und Garten gleiten, die kostbaren Quadrameter gepflegten privaten Glücks. Damals war sie eingezogen in ein Haus ohne Möbel und die Mutter im polnischen Nachbardorf wusste nicht mal, dass die jüngste ihrer Töchter gegangen war. Mit Koffer und dann war ich weg...

Als die enorm orangefarbene Kaffeekanne fast leer war, fragte ich sie, ob sie sich in den Mann, dem sie als einem fast Unbekannten in eine gemeinsame Zukunft gefolgt war und der mich auf einem alten Foto mit seiner James-Dean-Tolle einigermaßen beeindruckte, ich fragte sie also, ob sie sich in diesen Mann im Zusammenleben verliebt hatte

Liebe? Sie tastete das Wort im Sprechen ab. Er mochte mich, ich mochte ihn. Aber Liebe?

Als wir uns müde gesprochen hatten, zeigte sie mir ihr Haus. Ganz oben auf dem Küchenbuffet standen zur Dekoration einige Geschirrteile mit floralem Muster. Wie sich nach einer erster Fehlinterpretation herausstellte, war es nicht masurischer, sondern kaschubischer Herkunft. Ich beschloss in die Kaschubei zu fahren, um eine solch freundliche Kaffeetasse zu kaufen.
Das machte ich dann auch. War aber gar nicht so einfach in der Endmoränenlandschaft der Kaschubischen Schweiz ein solch Stück Geschirr zu finden. Der Kaschube scheint nämlich gar nicht so ein folkloristischer Typ zu sein, zumindest versteckt er sein Geschirr sehr gekonnt vor dem Touristen.


Sabina Döhr Sabina und Klaus Kaschubisches Geschirr